Europa & Co

Wir sind nicht bereit für den Tod, wenn Italien ruft, Nein!

Warum wir Schützen und Marketenderinnen uns mithttp://www.burggrafenamt-online.eu/2017/06/04/wir-sind-nicht-bereit-fuer-den-tod-wenn-italien-ruft-nein/ der italienischen Nationalhymne so schwer tun.

Was einige von uns schon vor Wochen vorausgesehen haben, ist nun eingetreten, nämlich eine Kampagne gegen den Südtiroler Schützenbund, der sich geweigert hat, anlässlich eines Landesüblichen Empfangs für die Staatspräsidenten Österreichs und Italiens am 11. Juni 2017 in Meran mit einer Ehrenformation in der „Präsentiert-Haltung“ die italienische Nationalhymne „Fratelli d´Italia“ über sich ergehen zu lassen. Beschämend ist dabei, dass diese Kampagne von unseren Südtiroler Landsleuten losgetreten wurde, allen voran von Landeshauptmann Dr. Arno Kompatscher. Wir hätten eine Chance verpasst und Tiroler Patriotismus mit Antiitalianismus verwechselt. Wir Schützen und Marketenderinnen hätten nicht verstanden, dass wir Staatsgäste mit deren Hymnen empfangen müssten.

Und das sagen jetzt aber genau jene Südtiroler Landespolitiker, die sich in der Vergangenheit aus Rücksicht gegenüber dem italienischen Staat niemals getraut hatten, unser Andreas Hofer – Lied auch in Südtirol offiziell als Landeshymne einzuführen. Das wäre nun schon einmal der erste Punkt, den man dem Landeshauptmann vorhalten müsste, dass bei diesem Staatsbesuch am 11. Juni 2017 Herr Präsident Sergio Mattarella der Gastgeber für den österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen und nicht der Gast gewesen wäre und wir Schützen uns somit mit diesem Akt – und für die ganze Öffentlichkeit somit gut sichtbar – zur italienischen Nationalhymne als unsere eigene bekannt hätten.

Zum Unterschied von Landeshauptmann Dr. Arno Kompatscher und anderen Südtiroler Politikern tun wir Marketenderinnen und Schützen uns einfach schwer mit dieser italienischen Hymne, vielleicht weil wir auch wissen, dass diese in der emotionalen Atmosphäre des aufkeimenden italienischen Nationalismus entstanden ist, dem Südtirol nach Beendigung des Ersten Weltkrieges ja bekanntlich zum Opfer gefallen ist, als es von Italien als Kriegsbeute annektiert wurde. Und auch der Text dieser Hymne hat es in sich. Nicht nur dass in der 5. Strophe der österreichische (Doppel)adler seine Federn verliert (welch eine Schmähung), es ist vor allem der Refrain, der es in sich hat; „Siam pronti alla morte, l’Italia chiamò! Sì.“ Spätestens hier müsste der Herr Landeshauptmann Dr. Arno Kompatscher verstehen, dass wir Südtiroler Schützen und Marketenderinnen dazu niemals bereit stehen werden; „Wir sind nicht bereit für den Tod, wenn Italien ruft, Nein!“ Wer ehrlich ist, muss zugeben, dass vom Geist, den diese Hymne ausstrahlt, bei uns in Südtirol immer noch eine Menge sichtbar ist; ein faschistisches Siegesdenkmal, ein Ducerelief hoch zu Ross, faschistische Orts- und Flurnamen, die Unnachgiebigkeit bei der Begnadigung für die „Pusterer Buam“

In Wirklichkeit ist es so, dass der Herr Landeshauptmann Dr. Arno Kompatscher den Vorschlag und die Botschaft des Südtiroler Schützenbundes nicht verstanden hat oder nicht verstehen wollte, nämlich den Landesüblichen Empfang für die beiden Staatspräsidenten mit dem Abspielen der Europäischen Hymne „Ode an die Freude“ ablaufen zu lassen, eben mit einem Bekenntnis zu Europa und nicht mit einem Festhalten an ein überholtes nationalstaatliches Denken und Handeln. Der Text dazu wäre allemal passender gewesen:

Freude schöner Götterfunken,

Tochter aus Elisium!

Wir betreten Feuer trunken,

Himmlische, dein Heiligthum!

deine Zauber binden wieder,

Was die Mode streng getheilt,

alle Menschen werden Brüder

wo dein sanfter Flügel weilt.

Für alle, die den Text und die Geschichte der italienischen Hymne noch nicht kennen, werden diese nachfolgend wiedergegeben:

Die Geschichte der italienischen Nationalhymne (Quelle Wikipedia)

Der genuesische Dichter Goffredo Mameli schrieb im Herbst des Jahres 1847 die Verse seines Werks Il canto degli italiani, diese wurden daraufhin vom ebenfalls aus Genua stammenden Komponisten Michele Novaro vertont und am 10. Dezember 1847 in Genua vor ca. 30.000 Patrioten uraufgeführt. Die Hymne erfreute sich sofort großer Beliebtheit bei den nationalistischen Gruppen in Ligurien, breitete sich von da bis in die Lombardei aus und wurde auch von den Freiheitskämpfern der Cinque giornate gesungen. Die Inno di Mameli wurde so zu einer Kampfeshymne des Risorgimento.

Als 1861 das Königreich Italien ausgerufen wurde, wurde Fratelli d’Italia dennoch nicht zur ersten Nationalhymne; dies wurde die Marcia Reale (Königlicher Marsch) von Giuseppe Gabetti. Fratelli d’Italia blieb dennoch die heimliche Hymne. Diese Rolle behielt sie auch im Ersten Weltkrieg, wo sie ab 1915 als Kampflied der italienischen Soldaten zu hören war.

Nach Machtübernahme der Faschisten wurde 1932 die offizielle Aufführung durch Achille Starace, Sekretär des PNF, verboten. So wurde die Hymne der Freiheitskämpfer des Risorgimento erneut zu einem Symbol der Opposition und des Widerstands gegen den Faschismus.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs und der Gründung der Italienischen Republik 1946 wurde sie provisorische Nationalhymne des neu gegründeten Staates. In einer 1960 durchgeführten Umfrage der RAI sprach sich eine deutliche Mehrheit der Italiener für den Canto degli Italiani als Hymne aus. Allerdings sollte das Provisorium letztendlich noch 66 Jahre fortbestehen, erst im Jahr 2012 wurde sie per Gesetz zur offiziellen Nationalhymne und somit zu einem der Staatssymbole Italiens.

Liedtext mit deutscher Übersetzung

 

Fratelli d’Italia,

L’Italia s’è desta,

Dell’elmo di Scipio

S’è cinta la testa.

Dov’è la Vittoria?

Le porga la chioma,

Che schiava di Roma

Iddio la creò.

Brüder Italiens,

Italien hat sich erhoben,

Und hat mit dem Helm des Scipio

Sich das Haupt geschmückt.

Wo ist die Siegesgöttin Victoria?

Sie möge Italien ihr Haupt zuneigen,

Denn als eine Sklavin Roms

Hat Gott sie erschaffen.

 CORO

Stringiàmci a coòrte,

Siam pronti alla morte.

Siam pronti alla morte,

L’Italia chiamò.

Stringiàmci a coòrte,

Siam pronti alla morte.

Siam pronti alla morte,

L’Italia chiamò! Sì! 

REFRAIN 

Lasst uns die Reihen schließen,

Wir sind bereit zum Tod,

Wir sind bereit zum Tod,

Italien hat gerufen!

Lasst uns die Reihen schließen,

Wir sind bereit zum Tod,

Wir sind bereit zum Tod,

Italien hat gerufen! Ja!

Versetto 2

Noi fummo da secoli

Calpesti, derisi,

Perché non siam popolo,

Perché siam divisi.

Raccolgaci un’unica

Bandiera, una speme:

Di fonderci insieme

Già l’ora suonò.

2. Strophe

Wir wurden seit Jahrhunderten

Getreten und ausgelacht,

Weil wir kein Volk sind,

Weil wir geteilt sind.

Es vereinige uns eine einzige

Flagge, eine Hoffnung:

Auf dass wir verschmelzen,

wofür die Stunde hat schon geschlagen.

Versetto 2

Uniamoci, amiamoci,

L’unione e l’amore

Rivelano ai popoli

Le vie del Signore.

Giuriamo far libero

Il suolo natio:

Uniti, per Dio,

Chi vincer ci può?

3. Strophe

Vereinigen wir uns, lieben wir uns

Die Einheit und die Liebe

Offenbaren den Völkern

Die Wege des Herrn.

Schwören wir

Den Heimatboden zu befreien:

Geeint durch Gott,

Wer kann uns besiegen? 

Versetto 4

Dall’Alpi a Sicilia

Dovunque è Legnano,

Ogn’uom di Ferruccio

Ha il core, ha la mano,

I bimbi d’Italia

Si chiaman Balilla,

Il suon d’ogni squilla

I Vespri suonò.

4. Strophe

Von den Alpen bis Sizilien

Überall ist Legnano

Jeder Mann hat von Ferruccio

Das Herz und die Hand

Die Kinder Italiens

Heißen Balilla

Der Klang jeder Kriegstrompete

Ertönte zur Vesper.  

Versetto 5

Son giunchi che piegano

Le spade vendute:

Già l’Aquila d’Austria

Le penne ha perdute.

Il sangue d’Italia,

Il sangue Polacco,

Bevé col cosacco,

Ma il cor le bruciò.

 5. Strophe

Die gekauften Schwerter

Sind weich wie die Binsen:

Der österreichische Adler

Hat schon die Federn verloren.

Das Blut Italiens,

Das Blut Polens

Hat er mit dem Kosaken getrunken.

Aber sein Herz hat es verbrannt.

 

i.V. Hptm. Stefan Gutweniger

Bezirksmajor Burggrafenamt – Passeier.

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