Unser Land

Ist diese SMG glaubwürdig?

GASTBEITRAG


von Wolfgang Niederhofer – bbd

Auf der SMG-Webseite wird unter anderem die sogenannte Strategie Südtirol skizziert. Einige Leitbilder könnten ebenso aus einem Thesenpapier von Greenpeace stammen.

Südtirol wird zum begehrtesten Lebensraum in Europa werden, so das Ziel:

Ein gutes Lebensgefühl in einem ansprechenden Ambiente und Umfeld zu haben, reich an Erfahrungen zu werden und bereichert an Beziehungen – dies macht einen wertvollen Lebensraum für Menschen aus. Menschen die an Nachhaltigkeit, Authentizität, Natur und Originalität ein lebhaftes Interesse haben, sind jene Zielgruppe, die Südtirol vor Augen hat, wenn es um die Ansprache für Urlaub, regionale Produkte oder Standortmarketing geht.

Es gilt die Destination Südtirol von sogenannten austauschbaren Zielen und Angeboten abzuheben:

…die nachhaltige Reiserfahrung hingegen bleibt jenen Anbietern vorbehalten, welche authentische Lebensräume und den Mehrwert an persönlicher Erfahrung im Angebot führen, ganz unabhängig von touristischen Saisonen.

Der Südtirol-Urlauber sollte nicht nur sagen, für ein paar Tage ganz nett, aber leben möchte ich hier nicht, sondern beim Südtirol-Urlauber sollte die prinzipielle Vorstellung heranreifen, hier auch leben zu können.
Was sollte der „begehrteste Lebensraum Europas“ bieten?

Zum Lebensraum-Konzept gehören aber auch eine nachweislich nachhaltige Energieversorgung der gesamten Region, ein Nahverkehrskonzept für eine weitläufige Region auf dem Niveau einer modernen Stadt, regionale landwirtschaftliche Produkte als Grundpfeiler für die Gastronomie und die Haushalte, energieeffizientes Bauen und eine weitblickende Nutzung der knappen Siedlungsflächen, der Erhalt der bäuerlichen Kulturlandschaft, intelligente Versorgungs- und Entsorgungssysteme in den Gemeinden und ein ausgeprägtes und gefördertes Bewusstsein für die Alltagskultur.

Alles, was für den Touristen gut sei, müsse auch für die SüdtirolerInnen gut sein, so der Kern des sogenannten Lebensraum-Konzeptes:

Im Angebot für die Erfahrung der Südtirol-Kunden steht der gesamte Lebensraum, nichts reduziert sich nur auf die Wunschvorstellung der Kunden. Südtirols tägliches Leben, Südtirols Werte und die Südtiroler Lebensart der lokalen Bevölkerung genügen den Ansprüchen an ein touristisches Produkt. Südtirol biedert sich nicht mit billigem Souvenir-Gehabe an und entsagt konsequent Angeboten die nur Gästen und Kunden gefallen würden. Südtirol hat das Selbstbewusstsein, als Ganzes Marke “Südtirol” zu sein. Es gelingt, das Angebot an Gäste und Kunden im Gleichschritt mit dem zu halten, was auch die einheimische Bevölkerung für ihren Lebensraum, für die eigene Freizeitgestaltung und für die eigene Wertvorstellung als gutes Produkt empfindet. Das Lebensraum-Konzept thematisiert, was sich in Südtirol authentisch jeden Tag abspielt, was mit Leidenschaft und Überzeugung gemacht wird und zieht daraus seine Glaubwürdigkeit.

Selbst auf eine sogenannte Südtirol-DNA wird Bezug genommen:

In Kommunikation und Produktentwicklung baut Südtirol auf Menschen, Landschaften und regionale Produkte: Sie sind als DNA fest im Erbgut dieser Destination verwurzelt und als Kombination der Kern des Lebensraum-Konzeptes Südtirol.

Einige Fragen an die SMG:

  1. Wie vereinbart man dieses Leitbild mit der Verwendung der tolomeischen Kunstnamen zulasten der historischen Ortsnamen in allen Märkten, außer dem deutschsprachigen und dem tschechischen?
  2. Wie vereinbart man dieses Leitbild mit der Empfehlung, in englischen Übersetzungen bevorzugt die tolomeischen Kunstnamen und nicht die historisch gewachsenen Ortsnamen zu verwenden?
  3. Ansprüche, wie Nachhaltigkeit und Authentizität verlangen ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit, zumindest, wenn man mehr als eine nette Betriebs- oder Marketingphilosophie verfolgt. Ist man als touristische Marketinggesellschaft noch glaubwürdig, wenn man sich weigert in der Kommunikation mit seinen Kunden, die über Jahrhunderte gewachsenen Ortsnamen und Toponyme zu verwenden?
  4. In der Strategie Südtirol ist unter anderem von „Erhalt der bäuerlichen Kulturlandschaft“ die Rede. Ist man bei der SMG der Meinung, dass die gewachsenen Toponyme völlig losgelöst von dieser Kulturlandschaft zu betrachten sind? Losgelöst in dem Sinne, dass einige Marketing-Gurus willkürlich über deren Verwendung entscheiden können?

Südtirol biedert sich nicht mit billigem Souvenir-Gehabe an und entsagt konsequent Angeboten die nur Gästen und Kunden gefallen würden, so die SMG. Viel schlimmer: Südtirols Tourismuswerbung biedert sich mit Toponymen und Ortsnamen an, die im Rahmen einer Diktatur etabliert wurden. Dass diese Namen in Südtirol fröhliche Urständ feiern und selbst von der Marketinggesellschaft bevorzugt verwendet und empfohlen werden, dürfte weltweit im Kontext demokratischer Rahmenbedingungen einzigartig sein. Zumindest diesen Superlativ dürfte uns kein Mitbewerber streitig machen.

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