Kompanien

Lana gedenkt des Sandwirts Andreas Hofer

„Nur durch wachsamen Zusammenhalt können wir unsere Heimat davor schützen, dass sie durch zunehmende wohlstandsbürgerliche Meinungslosigkeit, durch private Genügsamkeit und Neid bis zur Unkennlichkeit verniedlicht und kaputtrationalisiert wird. Uns weiterhin für die Eigenständigkeit unsere Heimat, für das eine und ganze Tirol, einzusetzen, ist wohl das beste Versprechen, das wir denen, an die wir heute in Dankbarkeit denken, geben können.“ Ehrenmajor des Südtiroler Schützenbundes Dr. Bruno Hosp.

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Ehrenmajor des SSB Dr. Bruno Hosp bei der Gedenkrede vor dem Kriegerdenkmal in Niederlana

LANA – Organsiert von der SVP – Ortsgruppe Lana, der freiwilligen Feuerwehr Lana, dem Männergesangsverein und dem Musikverein Lana gedachte die Schützenkompanie „Franz Höfler“ Lana am 17. Februar des Tiroler Helden und Freiheitskämpfers von 1809 – Andreas Hofer und seiner Mitstreiter.
Nach dem Wortgottesdienst in der Pfarrkirche Niederlana, feierlich mitgestaltet vom Männergesangsverein, zelebriert von Hochwürden Pater Basilius Schlögl fand am Kriegerdenkmal das Heldengedenken statt. Neben Ortsobmann Alexander Knoll hatten sich Bürgermeister Harald Stauder sowie die Vertreter des Gemeinderates eingefunden. Die Lananer Kompanie feuerte im Gedenken an alle Freiheitskämpfer eine Ehrensalve ab und legte einen Kranz am Kriegerdenkmal nieder.
Mit einer passenden Rede von Ehrenmajor Dr. Bruno Hosp (siehe Teilausschnitt der Rede oben) und dem Abspielen des „Guten Kameraden“ sowie der Landeshymne durch die Bläsergruppe des Musikverein Lana endete die Andreas-Hofer-Gedenkfeier.

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Fotos: SK Lana


Komplette Gedenkrede vom Ehrenmajor des Südtiroler Schützenbundes Dr. Bruno Hosp:

„Der Todestag Andreas Hofers und Peter Mayrs ist für uns Tiroler jedes Jahr ein Tag des Gedenkens an die mutigen Männer und Frauen  im Tiroler Volksaufstand von 1809, an die Gefallenen der beiden Weltkriege sowie auch an all Jene, die erst in den jüngst vergangenen Jahrzehnten (insbesondere als Freiheitskämpfer in den 60er-Jahren) ihr Leben für die Heimat geopfert haben.

Anfang November gedachten wir den katastrophalen Ausgangs des ersten Weltkrieges, der in den Geschichtsbüchern zu Recht als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet wird. Im ersten Kriegsjahr 1914 spielte sich dieses mörderische Völkerringen noch fern unserer Tiroler Heimat ab, wenn auch – schon innerhalb weniger Monate – bereits tausende Tiroler Soldaten auf den Schlachtfeldern Galiziens und des Balkan in diesem ebenso sinn- wie aussichtslosen Krieg ihr junges Leben hatten opfern müssen.

Als aber dann Italien, obwohl als Dreibundpartner mit dem Kaiserreich Österreich-Ungarn verbündet, am 25. Mai 1915 Österreich den Krieg erklärte, wurde unsere Heimat praktisch über Nacht und bis November 1918 unmittelbares Kriegs- und Frontgebiet. Für diese Kehrtwende hatte Italien einen Monat vorher im sogenannten Londoner Geheimvertrag als Judaslohn die Brennergrneze zugesagt bekommen. Dieser ungeheure Treuebruch Italiens, für den es bis dahin kein vergleichbares Beispiel in der Geschichte gab, war auch ein Affront gegen die traditionelle Tiroler Wehrhaftigkeit. Da es nun tatsächlich um den eigenen Heimatboden ging, war dieser Krieg unseren Landsleuten auch leichter zu vermitteln als etwa das sinnlose Kriegsgemetzel im fernen Galizien. Da aber dort und in weiteren weit abgelegenen Frontgebieten zu diesem Zeitpunkt höchster feindlicher Bedrängnis bereits an die 85.000 Tiroler Soldaten (Kaiserjäger und Landesschützen) im Einsatz standen, mussten in aller Eile die Standschützen (also unsere Schützen) mobilisiert werden. Dieses „letzte Aufgebot“ umfasste 50 Bataillone mit einem Gefechtsstand von 35.000 Mann unter 18 und über 42 Lebensjahren.

Viele Standschützen mussten damals sogar mit ihrem eigenen „Stutzen“ ausrücken oder wurden mit den uralten, einschüssigen Werndl-Gewehren ausgerüstet. Ja sogar, und darüber kann man über die k.u.k. Heeresführung nur den Kopf schütteln, an Uniformen und Schuhwerk mangelte es, sodass viele Schützen in ihrer Zivilkleidung an die Gebirgsfront gegen Italien gebracht wurden. Die Standschützen, unterstützt alsbald vom „Deutschen Alpenkorps“ und später auch von den aus anderen Frontgebieten abgezogenen Kaiserjägern und anderen Tiroler Einheiten, führten nun jenen legendär gewordenen dreieinhalb Jahre währenden Kampf in Fels und Eis. Bei diesem zermürbenden Stellungskrieg galt es nicht nur, dem ausrüstungs- und zahlenmäßig weit überlegenen italienischen Feind zu trotzen, sondern auch gegen Kälte, Lawinen, Steinschlag, Hunger und allerlei Krankheiten anzukämpfen.

Und zu Hause mussten die Frauen mit ihren Kindern nicht minder gegen Not, Hunger und Kriegssäuchen ankämpfen, als an der „Heimatfront“ unsagbares leisten, um mit den Gräueln des Krieges fertig zu werden. Auch ihnen schulden wir dieses Gedenken. Auch vor ihnen verneigen wir uns wie vor unseren gefallenen Soldaten und Heimatverteidigern in gebührender Ehrfurcht.

Vor nunmehr gut 100 Jahren, in den ersten Novembertagen 1918, musste Österreich kapitulieren und mit Italien einen Waffenstillstand abschließen. Dieser wurde in Padova am 3. November 1918, um 15.00 Uhr unterzeichnet und sollte 24 Stunden später in Kraft treten. Dabei hat Italien erneut getrickst: Es nutzte die ungeheuerliche Stümperei der österreichischen Armeeführung, die ihren Soldaten den verhängnisvollen Befehl zur sofortigen Niederlegung der Waffen gegeben hatte, während die italienischen Truppen in den verbleibenden 24 Stunden bis zum Inkrafttreten des Waffenstillstandes noch an die 360.000 unbewaffnete österreichische Soldaten, die sich bereits auf dem Rückzug befanden, ohne Gegenwehr in die Kriegsgefangenschaft führten.

Es war eine schmerzhafte Ironie des Schicksals, dass unsere Heimat von den Siegermächten dann auch noch an Italien verschachert wurde, obwohl während des langen Krieges nie auch nur eine Handbreit unseres Heimatbodens von italienischen Truppen erorbert worden war. Fürwahr ein unrümliches Possenspiel der damals mit Italien alliierten Mächte! So wurde dann am 10. September 1919 in den Friedensverträgen von Saint Germain die heute noch andauernde Zerreißung Tirols besiegelt, welche unsagbares Leid über unser Land gebracht hat. Heuer jährt sich dieser Schicksalstag zum 100sten Male.

Unsere Eltern und Großeltern haben damals von einem Tag auf dem anderen ihre vertraute österreichische Staatsbürgerschaft und damit auch ein gutes Stück ihrer Identität verloren. Wenn also jetzt jene Südtirolerinnen und Südtiroler, die sich dieser ihrer Herkunft und Geschichte noch bewusst sind, durch eine großzügige Geste Österreichs einen österreichischen Pass erhalten können (und nicht müssen!), dann ist das nicht „völkisches Rülpsen“, wie es vor einiger Zeit sehr spöttisch und beleidigend ein Südtiroler Filmregisseur in Radio Ö1 bezeichnet hat. Und ich mag mich auch nicht – weil ich diese freundliche Geste Österreichs sehr erfreulich fände – von Obrigkeiten aus Kirche und Politik zum Unfriedensstifter stempeln lassen, wie dies ebenfalls im vergangenen Jahr geschehen ist.

Im Gedenken an das leidgeprüfte Land Tirol von 1809 und an die Katastrophe des 1. Weltkrieges sollten wir Heutige uns darauf besinnen, dass auch unsere Zeit ihre Forderung hat, die Werte, die uns unverzichtbar sind, zu verteidigen. Für uns Tiroler sind das: Die Heimat als unser angestammter Lebensraum, der Väterglauben, unsere Muttersprache, die Werte der Freiheit, der Mitmenschlichkeit und des Gewissens. Unsere besten Kräfte sind gefordert, diese Werte in gewaltloser Entschiedenheit zu verteidigen.

Die unsagbaren Opfer, an die wir heute erinnern, bedeuten für uns Heutige somit nicht nur eine Verpflichtung, den politischen Raum unserer Heimat zu halten, sondern darüber hinaus auch die Heimat von Innen, vom Geistigen und Moralischen her, zu halten und zu hegen. Ich glaube, wir alle sollten uns dieser Verpflichtung im besonderen stellen, denn die Idee eines aus seiner Geschichte geprägten, eigenständigen und werteorientierten, aber weltoffenen Tirol kann für uns alle ein gutes Motiv, eine sinnvolle Maxime für unser Handeln im Alltag sein. Dabei sollten wir uns nach dem guten Beispiel von Kanonikus Michael Gamper ausrichten und uns weder von leichtfertigen Versprechungen noch von radikalen Einflüsterungen beirren lassen.

Nur durch wachsamen Zusammenhalt können wir unsere Heimat davor schützen, dass sie durch zunehmende wohlstandsbürgerliche Meinungslosigkeit, durch private Genügsamkeit und Neid bis zur Unkennlichkeit verniedlicht und kaputtrationalisiert wird.

Uns weiterhin für die Eigenständigkeit unsere Heimat, für das eine und ganze Tirol, einzusetzten, ist wohl das beste Versprechen, das wir denen, an die wir heute in Dankbarkeit denken, geben können.“

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