Blickwinkel

Falsche Toleranz

Seit längerem beschäftigt mich das Thema Toleranz. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr hinterfrage ich die eigentliche Wortbedeutung. Manche würden Toleranz mit dem Wort Respekt gleichsetzen. Aber was ist Respekt? Heißt Respekt nicht, jemandem offen entgegenzutreten und wertschätzend zu behandeln, auch wenn man nicht immer der gleichen Meinung ist? Oder heißt Respekt, vor etwas Angst haben und sich daher zurückzuziehen?

In meinem täglichen Wortgebrauch benutze ich das Wort Respekt in vielen Bereichen. Ich habe Respekt vor der tollen Leistung, die jemand erbracht hat. Ich habe Respekt vor meinen Eltern, weil sie mir wichtig sind. Ich habe Respekt vor Menschen, die auch mir respektvoll begegnen. Aber ich habe auch Respekt vor großen Herausforderungen, oder Personen z.B. in der Berufswelt, die über meine Zukunft entscheiden.

Doch welche Bedeutung hat nun das Wort Respekt bezüglich Migration? Immer öfter erhalte ich den Eindruck, dass es eher mit Angst als mit Wertschätzung zu tun hat.

Angst davor als Nazi abgestempelt zu werden, wenn man sich nicht stets mit bestimmten Ansichten einverstanden zeigt.

Angst davor als Rassist bezeichnet zu werden, wenn man seine eigenen Werte, Bräuche und Traditionen über die der Migranten stellt.

Angst davor als „ewig Gestriger“ betitelt zu werden, wenn man an seiner Muttersprache festhalten möchte.

Wenn das Respekt oder Toleranz sein soll, dann wurde mir auf meinem Lebensweg eine falsche Vorstellung von diesen Begriffen mitgegeben. Wo bleibt hier die Toleranz uns anders Denkenden gegenüber?

Bin ich ein Nazi, weil mir meine Muttersprache wichtig istund ich mir wünsche, dass ich mich weiterhin damit in meiner Heimat zurechtfinden kann, wie das auch meine Vorfahren konnten?

Bin ich ein Rassist, wenn ich mit Stolz die Werte, Bräuche und Traditionen meiner Heimat leben will, wie ich es von meinen Eltern und Großeltern gelernt habe?

Bin ich ein „ewig Gestriger“, wenn ich mich mit der aktuellen Situation meiner Heimat auseinandersetze und mit kritischem Blick die Entwicklungen beobachte, mir Gedanken dazu mache und diese auch äußere?

Erst wenn wir lernen uns selbst gegenüber respektvoll und tolerant zu begegnen, können wir vielleicht über eine gemeinsame Lösung nachdenken. Ansonsten wird Heimat nie wieder Heimat sein.

Gedanken einer Marketenderin

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