Bezirk

„Nationalstaaten sind keine Freunde Tirols“

Burggräfler Schützen treffen sich zum 12. Bezirkstag in Stuls


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Vor der Festversammlung zogen die Hauptmänner, Funktionäre und Marketenderinnen zur Pfarrkirche um ihren verstorbenen Mitgliedern zu Gedenken.

PASSEIER Über 100 Vertreter der 26 Schützenkompanien aus dem ganzen Burggrafenamt kamen am Samstag zusammen um Bilanz über die bisherigen Tätigkeiten zu ziehen und die anstehenden Großveranstaltungen – das Bezirksfest in Meran und den Unabhängigkeitstag in Bruneck – zu präsentieren. Vor der Festversammlung feierten die Schützen mit ihrem Bezirks- und Landeskuraten P. Christoph Waldner OT einen Gottesdienst in der Stuller Pfarrkirche, bei dem an die verstorbenen Mitglieder des vergangenen Jahres gedacht wurde.

Mit Genugtuung konnte die Bezirksleitung unter der Führung von Major Andreas Leiter Reber auf das vergangene Jahr zurückblicken: Zahlreich waren die Projekte, welche in Erinnerung an die Tiroler Standschützen und die Kriegsfront von 1915 durchgeführt wurden. Über die Gedenkfeier am Meraner Soldatenfriedhof, an der auch Karl von Habsburg teilgenommen hat und die Errichtung von 12 Gedenkkreuzen an der ehemaligen Tiroler Frontlinie, wurde ein Fotobericht gezeigt. Auch die Gedenkmessen für Georg Klotz, Franz Höfler und Sepp Kerschbaumer fanden stets unter einer starken Beteiligung der Burggräfler Kompanien statt. Neben Schießbewerben auf Bezirks- und Landesebene, fanden im Rahmen der Jugendarbeit unter anderem eine Sommerolympiade im Passeiertal und ein Herbstausflug zum Kloster Marienberg im Vinschgau statt. Erstmals wurde beim zweitägigen Bezirkslehrgang für Neuschützen auch ein Aufbau- bzw. Weiterbildungskurs für Mitglieder angeboten. Die Bezirksmarketenderin Angelika Haller verwies auf die verschiedenen Tätigkeiten der insgesamt 131 Marketenderinnen und zeigte sich erfreut, dass die Mädchen und Frauen nicht nur in Tracht eine gute Figur machen, sondern sich in verschiedenen Arbeitsgruppen und Bezirksgremien aktiv einbringen und auch zu politischen Themen ihre Positionen vertreten.
DSC_0208Bezirksmajor Leiter Reber bedauerte, dass eine gewisse Politikverdrossenheit und Zukunftsängste auch Einzug in die Schützenreihen gehalten hätten: „In Sachen Selbstbestimmung und Sezession hat sich im vergangenen Jahr nicht viel getan“. „Gerade in Zeiten der Unsicherheit gewinnen Nationalisten und Populisten in Italien als auch im Vaterland Österreich an Fahrtwind und setzen damit all das, was wir Südtiroler uns von einem gemeinsamen Europa erwarten aufs Spiel. Nationalstaaten sind keine Freunde Tirols, denn sie können dem sprachlichen und kulturellen Spektrum unserer Heimat nicht gerecht werden“ so der Bezirksmajor. Auch verwies er darauf, dass es heute die Schützen seien, die die Autonomie verteidigen, der unser Land viel zu verdanken habe. Sie müsse aber konsequent ausgebaut werden, so der Bezirksmajor:

„Wir müssen stolz auf unser Land sein und diesen Stolz müssen wir mit Freude und positiver Energie ausstrahlen, dann kann Südtirol auch die vollständige Unabhängigkeit und Eigenstaatlichkeit erreichen! Liebe Kameraden, wir wissen alle und sehen es auch an den Beispielen anderer Völker und Regionen, dass der Weg in die Unabhängigkeit kein leichter ist, aber wir sehen auch, dass er machbar und vor allem für alle Sprachgruppen gangbar ist. Auf die komplizierte Frage, was denn das Beste für unser Land wäre, eine einfache Antwort zu geben, mag da bestimmt leichter sein, als sich mit Menschen unterschiedlicher Ansichten und aus verschiedensten Umfeldern auseinanderzusetzen und dafür zu begeistern selbst die Zukunft unseres Landes zu gestalten. Und sollte doch noch der Tag kommen, an dem es uns ein österreichischer Bundespräsident leicht macht und uns Südtiroler alle einlädt und uns zuruft sich seiner Bundesrepublik anzuschließen, dann hätten wir Burggräfler Schützen bestimmt nichts dagegen diesem Ruf zu folgen, aber jedes Zukunftsmodell braucht eben auch eine Mehrheit, zuhause an euren Mittagstischen, bei euren Arbeitskollegen und in euren Dörfern und Städten.“

Neben Großveranstaltungen, wie dem Unabhängigkeitstag am 14. Mai in Bruneck und dem Bezirksfest am 18. Juni in Meran, stehen heuer auch die Gedenkfeiern für Kanonikus Michael Gamper in Tisens am 10. April (60. Todestag) und am 16. April jene für Franz Innerhofer in Marling (90. Todestag) an.
Neben einer Abordnung der neu gegründeten Schützenkompanie Nonsberg/Val de Non, unter Hauptmann Marco Bertagnolli, waren auch die Bezirksmajore Peter Kaserer aus dem Vinschgau und Lorenz Puff aus Bozen mit einer Delegation anwesend und unterstrichen die gute und freundschaftliche Zusammenarbeit mit den Burggräflern.
Zur Zeit zählt der Bezirk Burggrafenamt-Passeier 26 Kompanien mit insgesamt 1.004 aktiven Mitgliedern, hinzu kommen 209 Ehren- und unterstützende Mitglieder. Der Bezirkstag wurde mit der Landeshymne beendet.

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