Kultur

Ostergräber – ein alter Brauch in Tirol

Ostergrab in Imsterberg (Bildausschnitt)
Das Heiliggrab in Imsterberg.

Die Karwoche hat angefangen, ein guter Anlass, einmal einen genaueren Blick auf die Ostergräber in manchen Kirchen unseres Landes zu werfen. Es ist dies ein alter Brauch, der schon im 17. Jh. seinen Anfang genommen hat. Die heiligen Gräber gab und gibt es vor allem in Tirol, und in diesen Tagen werden sie in vielen Kapellen und Kirchen aufgebaut.

Das Glaubensgeheimnis um den Tod und die Auferstehung Jesu ist für uns Gläubige etwas, was mit dem Verstand nur schwer erfasst werden kann.

Schon vor Jahrhunderten ist deshalb wohl das Bedürfnis entstanden Bilder zu gestalten, damit die Menschen die Ereignisse zwischen Palmsonntag und Ostern intensiver erleben und nachvollziehen konnten. Vor einem aufgebahrten Jesus – genau wie man es mit verstorbenen Angehörigen macht – kann man besser trauern und beten. Und auch die Osterfreude wird spürbarer, wenn am Karsamstag bei der Osternachtsfeier der auferstandene Jesus strahlend emporschwebt.

Man fertigte kulissenartige Aufbauten, die auf Seitenaltären, in Altarnischen oder auch am Hochaltar Platz fanden. Kunstvolle Malereien stellten Szenen aus der Passion Christi dar.

In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts sind die meisten Ostergräber leider aus den Kirchen verschwunden, gemäß dem Geist des 2. Vatikanums wurden sie als nicht mehr zeitgemäß und zum modernen Menschen passend empfunden. Aber Gottseidank hat sich der „moderne“ Mensch offenbar seit Jahrhunderten nicht geändert, er braucht Bilder, Symbole, Rituale – heute mehr denn je, um Religiösität intensiver leben zu können. Und es tut tatsächlich gut, für einige Minuten vor einem Ostergrab zu knien, eine fast überirdische Ruhe geht von ihm aus.

Und so sind die Ostergräber aus den Dachböden und Kellern wieder hervorgeholt und restauriert worden. Sie erstrahlen in unseren Kirchen, prächtig geschmückt mit Blumen und den beleuchteten bunten Glaskugeln. Mancherorts beherbergen sie das Allerheiligste, nachdem es am Gründonnerstag vom Hochaltar feierlich übertragen worden ist.

Hl  Grab_BarbarakapelleHeiliges Grab in der Barbarakapelle Meran

Auch heuer wird in der Karwoche das Heilige Grab in der Barbarakapelle  errichtet. Unterstützt wird die Initiative vom Katholischen Arbeiterverein und den Meraner Schützen.

Die Entstehung der Darstellung der Grablegung in Meran ist wahrscheinlich auf die großen Pestepidemien  zurückzuführen. Krankheit, Tod, Schmerz und Trauer zählten zu den alltäglichen Lebenserfahrungen. Durch den Verweis auf Christi Leiden und Tod schien eine Verarbeitung dieser leidvollen Erlebnisse leichter möglich. Viele Gläubige schätzen diese Tradition und nützen die Gelegenheit, vor dem Heiligen Grab zu verweilen.

Das Heilige Grab kann ab Gründonnerstag jeweils von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr besichtigt werden.

Gibt es in einer Kirche deines Heimatortes auch ein Ostergrab?
In diesem Fall laden wir dich ein, ein Foto an die Redaktion von Burggrafenamt- Online zu schicken.

-> redaktion@burggrafenamt-online.eu

2015 Ostern Leichenkapelle Marling
Ostergrab in der Leichenkapelle der Pfarrkirche von Marling. Am Karfeitag und Karsamstag wird vor diesem Grab das 40-stündige Gebet abgehalten.

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